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Zwei Jahre nach dem Test des G25: Ein Vergleich mit dem G25 SL

by LiNichole 17 Aug 2026 0 comment

Für den ambitionierten Gravel-Fahrer ist die „Carbon-Steuer“ schon seit langem eine bittere Pille. Es ist eine ganz besondere, tiefsitzende Frustration, wenn man bei einem UCI-Weltcup-Rennen wie dem Wish One an den Start geht und feststellt, dass die schweren Aluminiumfelgen einen bereits vor Ende des neutralen Starts ins Hintertreffen gebracht haben. Jahrelang lautete die Devise der Branche ganz einfach: Wer Laufräder mit einem Gewicht unter 1.400 g und einem 50-mm-Aeroprofil haben will, muss drei Monatsmieten an eine europäische Nischenmarke zahlen.

Doch die Marktmechanismen verschieben sich. Nach zwei Jahren „Härtetests“ mit Laufradsätzen von ICAN – einem chinesischen Hersteller, der still und leise ein robustes Logistiknetzwerk in Europa aufgebaut hat – ist klar, dass die Barriere zu professioneller Leistung gefallen ist. Der ICAN G25 SL ist nicht nur wegen seines Preises ein „Markenkiller“, sondern auch wegen der technischen Transparenz, die er bietet. Da europäische Lager nun eine Lieferzeit von vier bis fünf Tagen ermöglichen, gehören die alten Befürchtungen vor Zollproblemen und monatelangen Lieferzeiten offiziell der Vergangenheit an.

Dies ist das Originalvideo des französischen Kanals Augustin Rides, in dem die ICAN-Gravel-Laufradsätze G25 und G25SL verglichen werden:

Der „fliegender Teppich“-Effekt: Geometrie statt Hype

Der Wechsel von schmalen Aluminiumfelgen zu einem 50-mm-Carbonprofil dient nicht nur der Aerodynamik, sondern auch der strukturellen Unterstützung des Reifens. Der G25 SL verfügt über eine Innenbreite von 25 mm und eine Außenbreite von 31,3 mm. Technisch gesehen sorgt dies dafür, dass der Reifen „breiter sitzt“, was das Luftvolumen und die Seitenstabilität erhöht. Diese Geometrie ermöglicht es dem Fahrer, mit niedrigerem Reifendruck zu fahren, ohne dass der Reifen bei harten Kurvenfahrten „verrutscht“.

Das Ergebnis ist das, was Testfahrer als „fliegender Teppich“-Gefühl beschreiben – eine deutliche Reduzierung hochfrequenter Vibrationen und die Fähigkeit, über Steine zu gleiten, anstatt von ihnen abzuspringen. Daten aus 24 Monaten Testbetrieb zeigen eine konstante Geschwindigkeitssteigerung von etwa 2 km/h im Vergleich zu ähnlichen Fahrten auf Leichtmetallfelgen, was vor allem auf eine verbesserte Beibehaltung des Schwungs zurückzuführen ist.

„An dem Tag, an dem ich diese Carbonlaufräder an meinem Gravelbike montiert habe, hätte ich vor lauter Begeisterung fast geweint, so beeindruckend war der Unterschied. Das Fahrrad verwandelt sich augenblicklich; man gewinnt an Geschwindigkeit, erhält ein besseres Ansprechverhalten und diesen ‚fliegender Teppich‘-Effekt, bei dem man einfach über das Gelände gleitet.“ – Feldtestnotizen, G25 SL-Bewertung.

Rotationsträgheit: Warum die 410 g schwere Felge entscheidend ist

Zwar sorgt das Gesamtgewicht des Laufradsatzes mit 1350 g für Schlagzeilen, doch das eigentliche Highlight ist das Felgengewicht. Mit 410 g pro Felge erreicht der G25 SL ein Verhältnis von Gewicht zu Felgentiefe, das bislang nur im „Ultra-High-End“-Segment zu finden war.

Eine Gewichtsersparnis von 200 g gegenüber einem Standard-Carbon-Laufradsatz macht sich nicht nur auf der Waage bemerkbar, sondern wirkt sich auch auf die „Wendigkeit“ des Fahrrads aus. Eine leichtere Felge verändert die Resonanz des Laufrads, sorgt für eine bessere Schwingungsdämpfung und ermöglicht ein schnelleres „Wiederanfahren“ (Reaktionsfähigkeit) beim Herausfahren aus einer Kurve oder beim Hochfahren einer steilen Steigung.

Das Gewichtsprofil des G25 SL:

Gesamtgewicht des Laufradsatzes: 1350 g

Gewicht einer einzelnen Felge: 410 g

Gewichtsreduzierung (SL im Vergleich zum Standard): 200 g kritische Rotationsmasse.

Boutique-Engineering und der Vorteil der „Hooked“-Felgen

In einem Schritt, den viele leistungsorientierte Fahrer zu schätzen wissen werden, hat ICAN am „Hooked“-Felgendesign (jantes accrochées) festgehalten. Während die Branche zunehmend auf hookless-Felgen setzt, um die Herstellungskosten zu senken, bleiben Hooked-Felgen die sicherere und vielseitigere Wahl, da sie ein Ablösen des Reifens aufgrund von Bedienungsfehlern oder Druckschwankungen verhindern.

Die Komponentenliste liest sich wie eine „Best-of“-Auswahl im Laufradbau:

Sapim CX Ray-Speichen

Der Stahlstandard für High-End-Konstruktionen, kombiniert mit „Secure Lock“-Nippeln, um Spannungsverluste zu verhindern.

D91-Nabenkonstruktion

Diese eigens entwickelte Nabe nutzt ein 45-Zahn-Sternratschen-System – eine bewährte, zuverlässige Technologie, die nun verfügbar ist, da bestimmte Branchenpatente abgelaufen sind. Das Nabengehäuse wurde durch extreme Zerspanung gewichtsreduziert, verfügt jedoch über einen Stahlschutz am Freilauf, um Rillenbildung an der Kassette zu verhindern.

Lagerintegrität

Die Präzisionsbearbeitung der Nabenhälse gewährleistet eine spielfreie Lagerintegrität, auch ohne dass eine manuelle Vorspannung erforderlich ist.

Asymmetrische Bohrung

Die Felgen verfügen über eine versetzte oder „Zickzack“-Bohrung. Dies verbessert den Speichenanstellwinkel und gleicht die Spannung zwischen Antriebs- und Nicht-Antriebsseite aus, was zu einer steiferen und langlebigeren Konstruktion führt.

Anmerkung des Autors: Die technische Konzeption ist zwar solide, doch Käufer, die das europäische Lager nutzen, sollten eine bestimmte Einschränkung beachten: Der Lagerbestand beschränkt sich derzeit auf Shimano HG- und SRAM XDR-Antriebe. Wenn Sie eine 12-fach-Shimano-MTB-Kassette über Micro Spline verwenden möchten, müssen Sie diese wahrscheinlich direkt beim Hersteller bestellen.

Die versteckte Sicherheitsmaßnahme: Druckentlastungs- und Entwässerungsöffnungen

Eines der wichtigsten Merkmale des G25 SL ist zugleich dasjenige, das am leichtesten übersehen wird: die Druckentlastungs- und Entwässerungsöffnungen. Carbonfelgen sind Hohlkonstruktionen; wenn Ihr Felgenband aufgrund von Verschleiß oder Hitze versagt, kann Luft in den Felgenhohlraum eindringen. Ohne diese Öffnungen kann dieser Druck dazu führen, dass die Carbonstruktur katastrophal explodiert.

Profi-Tipp: Kaufen Sie niemals Carbonlaufräder ohne diese Entwässerungs- und Druckausgleichsöffnungen. Um die Funktionsfähigkeit dieses Systems zu gewährleisten, sollten Sie außerdem den Branchenstandard (gemäß Empfehlung von DT Swiss) befolgen und Ihr Felgenband alle sechs Monate austauschen.

Das 2-Jahres-Zuverlässigkeitsurteil: Realität vs. Vorurteil

Um das Vorurteil vom „billigen chinesischen Carbon“ auf die Probe zu stellen, haben wir den Vorgänger dieses Laufradsatzes einem zweijährigen Härtetest unterzogen. Dabei handelte es sich nicht um eine Laborsimulation, sondern um Gravel-Rennen im Weltcup, schwer beladene Bikepacking-Touren durch die rauen schottischen Highlands und den „Rocamadour-Grind“. Er überstand sogar die täglichen Strapazen des Pendelverkehrs, einschließlich des Überspringens von Bordsteinkanten mit voll beladenen Packtaschen.

Die Daten nach Tausenden von Kilometern:

Speichenspannung: Kein Verlust; die Laufräder blieben perfekt rund („sans voile“).

Haltbarkeit der Naben: Kein Lagerspiel, trotz wiederholter Schlammbelastung und Hochdruckreinigung.

Schlagfestigkeit: Mehrere Felgenaufpralle auf kantigen Felsen führten zu keinerlei strukturellen Schäden.

Fazit: Daten vs. Markentreue

Vergleicht man den Preis von 750 € für das ICAN G25 SL mit den über 2.000 €, die „innovative“ europäische Marken verlangen, lässt sich das Preis-Leistungs-Verhältnis kaum ignorieren. Zwar bieten Ultra-Premium-Marken möglicherweise breitere Aero-Profile (bis zu 38 mm oder 40 mm Außenbreite), doch für den „vernünftigen“ Käufer rechtfertigen die marginalen Vorteile selten einen Aufpreis von 1.300 €.

Ist es in einer Zeit, in der ein „günstiger“ Laufradsatz einen zweijährigen Weltcup-Härtetest überstehen kann, noch sinnvoll, für ein europäisches Logo zu bezahlen?

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