ICAN FL40/50 Max im Test: 5 überraschende Erkenntnisse von Jourdain Coleman
Vorwort
Der Umstieg auf Carbonlaufräder ist das Standardrezept für jeden Rennradfahrer, der seinem Fahrrad neuen Schwung verleihen möchte – doch zu den Nebenwirkungen gehört meist ein Bankkonto, das „finanziell ruiniert“ ist. Jahrelang hat uns die Branche eingeredet, dass man sich mit schweren, schlecht verarbeiteten Kompromisslösungen begnügen muss, wenn man nicht eine „Premium-Markensteuer“ zahlt, die mit den Kosten eines gebrauchten Kleinwagens konkurriert. Uns wurde eingeredet, dass Leistung hinter vierstelligen Preisschildern verborgen liegt, sodass diejenigen von uns, die kein Zahnarztgehalt beziehen, in der Welt der schweren Leichtmetallfelgen versinken müssen.

Der ICAN FL40/50 Max soll der Realitätscheck sein, den die Branche braucht. Für 800 US-Dollar versprechen diese Laufräder Spezifikationen auf Elite-Niveau – Sapim-Speichen, Carbonfelgen und federleichte Naben – ohne jegliche Zugangsbeschränkungen. Hier sind die fünf überraschendsten Erkenntnisse aus dem Workshop. Der Kauf dieses Laufradsatzes aus einem Lager in der EU oder den USA beinhaltet nicht nur Steuern und Versandkosten, sondern gewährleistet auch eine schnellere Lieferung.
Der FL40/50 Max-Laufradsatz wurde für 2026 auf den FL40 II/FL50 II aktualisiert.
Im Folgenden finden Sie eine Videorezension des FL40/50 Max von Jourdain Coleman aus Großbritannien:
Erkenntnis 1: Sie sind leichter als im Marketing angegeben
In der zynischen Welt der Radsportausrüstung ist ein „angegebenes Gewicht“ oft weniger eine tatsächliche Messung als vielmehr ein hoffnungsvoller Vorschlag der Marketingabteilung. Die ICAN FL40/50 Max hat jedoch etwas Seltenes geschafft: Sie hat die Erwartungen übertroffen, indem sie weniger wog als angegeben. Das Vorderrad brachte 617 g auf die Waage, das Hinterrad 734 g. Damit liegt das Gesamtgewicht „ohne Bereifung“ bei nur 1.351 g.
Für einen Laufradsatz mit Aero-Profil und einer Profiltiefe von 40 mm bzw. 50 mm ist das außergewöhnlich leicht. Um das in Relation zu setzen: „Diese Laufräder sind leichter als deine Hoffnungen, deine FTP im Winter aufrechtzuerhalten.“ Es ist fast beispiellos, dass preisgünstige Carbonlaufräder deutlich leichter ausfallen als in den Werksangaben angegeben, aber ICAN scheint den Gewichtsvorteil priorisiert zu haben, ohne die strukturelle Integrität zu opfern, die nötig ist, um tatsächlich in einem Stück zu bleiben.

Erkenntnis 2: Präzisionstechnik, die es mit Premium-Marken aufnehmen kann
Das Gewicht ist nur eine Zahl; die Rundheit ist eine Kunst. Ich habe diese auf den Ausrichtständer gesetzt, um die seitliche Rundheit (seitliches Wackeln) und die radiale Rundheit (die „Rundheit“ oder vertikale Abweichung) zu messen. Die Ergebnisse waren verblüffend: Die durchschnittliche Abweichung über alle Messungen betrug lediglich 0,18 mm. Zum Vergleich: Eine Abweichung von 0,15 mm ist für das bloße Auge praktisch „lasergerade“.
Von den neun Laufradsätzen, die ich diesem speziellen Härtetest unterzogen habe, belegte der FL40/50 Max insgesamt den zweiten Platz. Der einzige Satz, der sie schlagen konnte? Ihr eigener Cousin, der ICAN Aero 50. Mit meinem Park Tool-Felgenmessgerät – das, seien wir ehrlich, so viel kostet wie manche Laufradsätze – überprüfte ich die Zentrierung. Die Felge lag perfekt über der Nabe. Diese Präzision sorgt dafür, dass dein Fahrrad geradeaus läuft und verhindert, dass deine Bremsscheiben aufgrund von Fehlausrichtung „deinen Bremsbelägen süße Nichtigkeiten zuflüstern“.

Erkenntnis 3: Die „gestaffelte“ Felgentiefe für Kontrolle im Alltag
Das FL40/50 Max verfügt über eine gestaffelte Konfiguration: eine 40 mm tiefe Felge vorne und eine 50 mm tiefe Felge hinten. Während Anhänger des „Mehr ist mehr“-Prinzips aus ästhetischen Gründen vielleicht 50 mm an beiden Enden bevorzugen würden, ist diese Konfiguration eine Hommage an die Physik des Alltags. Ein tieferes Hinterrad sorgt für die aerodynamischen Vorteile dort, wo sie zählen, während die flachere Vorderfelge verhindert, dass das Fahrrad bei Seitenwind außer Kontrolle gerät.
Für diejenigen unter uns, die in notorisch windigen Gegenden wie Großbritannien fahren, macht diese Konfiguration den Unterschied zwischen einer kontrollierten Abfahrt und einem furchterregenden Kampf mit dem Lenker aus. Auch technisch haben mich die Felgenmaße überrascht. Während ICAN eine Innenbreite von 23 mm angibt, habe ich eher 23,3 mm gemessen, bei einer Außenbreite von 28,6 mm (etwas breiter als die angegebenen 27,8 mm). Dieser zusätzliche Umfang unterstützt moderne, breitere Reifen und sorgt für eine bessere Form und mehr Nachgiebigkeit, ohne das „Glühbirnen“-Reifenprofil älterer, schmalerer Felgen.

Erkenntnis 4: Keine Abstriche bei den Komponenten (Sapim & „Shaved Leg“-Naben)
Der einfachste Weg, einen Preis von 800 Dollar zu erreichen, ist die Verwendung von generischen, schweren Speichen und Naben mit Lagern, die sich anfühlen, als wären sie mit Sand gefüllt. ICAN ist diesem Köder nicht auf den Leim gegangen. Sie verwendeten Sapim CX-Ray-Blattspeichen aus Edelstahl, die, wie man so schön sagt, „wahrscheinlich länger halten als Ihre Knie“. Sie sind im Zweikreuzmuster eingespeicht, bei dem sich die Speichen am zweiten Kreuzpunkt berühren – ein spezifisches Detail, über das in Forenkommentaren gerne gestritten wird, das aber im Allgemeinen für eine robuste Konstruktion sorgt.
Die ICAN 28S-Naben waren ebenso beeindruckend. Beim „Fingertest“ – bei dem man die Achse festhält, um nach eventueller Rauheit zu tasten – fühlten sich die Lager „glatter an als ein frisch rasiertes Bein am Zeitfahr-Tag“. Sogar das Geräusch des Freilaufs ist ein Highlight; er singt mit einem lauten, knackigen Einrasten, das jedem in der Gruppe genau mitteilt, wann man rollt. ICAN legt der Verpackung sogar ein physisches QC-Blatt mit Angaben zur Speichenspannung bei – genau die Art von „nerdig-sexyem Gerede“, die beweist, dass ein Mensch diese Laufräder tatsächlich angefasst hat, bevor sie versandt wurden.

Fazit 5: Kleinere optische Mängel bei einem ansonsten hochwertigen Gesamtpaket
Sobald man von der beeindruckenden inneren Mechanik absieht und sich den „Glanz“ ansieht, zeigt sich ein kleines bisschen die Budget-Realität – aber nur, wenn man mit einem Mikroskop hinschaut. Die Verpackung ist hervorragend und enthält reichlich Schutzschaum, schlauchlose Ventile und vorinstalliertes Felgenband. Das schillernde Logo hat einen schönen „Strahlen-Vibe“, der modern wirkt, ohne „voll auf Disco-Kugel“ zu gehen.
Allerdings habe ich am Hinterrad eine kleine Unvollkommenheit beim Aufkleber entdeckt – eine leichte Fehlausrichtung des Aufklebers. Wenn du zu den Leuten gehörst, die ihre Aufkleber mit militärischer Präzision ausgerichtet haben wollen, könnte dich das stören. Aber seien wir ehrlich: Eine winzige Fehlausrichtung des Aufklebers ist ein lächerlich kleiner Kompromiss für einen Laufradsatz, der weniger kostet als dein letzter Radurlaub, aber die technische Leistung von Ausrüstung erreicht, die dreimal so viel kostet.

Fazit: Die Zukunft der preisgünstigen Hochleistungsausrüstung
Das ICAN FL40/50 Max ist ein bahnbrechendes Produkt. Es beweist, dass sich die Kluft zwischen „Budget“ und „Elite“ schneller schließt als ein Sprinter auf den letzten 200 Metern. Auch wenn ich nur ein Typ mit einem Zentrierständer, einer Messuhr und einer fragwürdigen Besessenheit für technische Daten bin, lügen die Zahlen nicht: Diese Laufräder sind objektiv gesehen hochleistungsfähig.
Wenn ein Laufradsatz unter 1000 Dollar die „großen Namen“ in Sachen Präzision, Gewicht und Komponentenqualität konsequent übertrumpft, wirft das eine schwierige Frage für die Branche auf: Treten wir endlich in eine Ära ein, in der Leistung nicht mehr an einen hohen Preis geknüpft ist, oder haben wir die ganze Zeit nur zu viel für Markenzeichen bezahlt?




